Bedeutung einer Scheidung für die Kinder

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Beim Thema „Patchwork-Familie“ scheiden sich sprichwörtlich die Geister. Die eine Seite plädiert dafür, Kindern und Jugendlichen um jeden Preis eine Scheidung der Eltern zu ersparen, da sie auf den Schutz und die Sicherheit der Familie nicht verzichten könnten. Das sind meist diejenigen, die in einer intakten Beziehung leben oder wenigsten halbwegs zufrieden sind mit ihrer aktuellen Lebensform. Die andere Seite sieht in dem inzwischen sehr hohen Anteil an sogenannten Patchwork-Familien ein massives gesellschaftliches Problem. Vermeintlich sichere Strukturen familiärer Konstrukte werden mitverantwortlich gemacht für die bröckelnde Gesellschaft und deren momentane Kultur der Orientierungslosigkeit.

Sicher ist es für Kinder und Jugendliche ein persönliches Drama, eine stark wirkende Erfahrung, die oft bis weit ins Erwachsenenalter immer wieder von Betroffenen formuliert wird. Dennoch tun wir uns nichts Gutes, Themen wie Werteverlust und fehlender Halt durch das Schwinden von Traditionen auf die veränderten Familiensituationen vieler Hunderttausender Menschen zu schieben. Es wäre eine zu starke Vereinfachung, zu allgemein und von der falschen Seite her betrachtet. Die Entwicklungen laufen parallel, einerseits die hohe Scheidungsrate aufgrund von Individualisierung und dem ausgeprägten Wunsch nach Lebensglück, andererseits die Verkümmerung kulturell vorgegebener Orientierungspunkte für jeden Einzelnen in dieser Gesellschaft.

Wo Freiheit die Strukturen bestimmt, muss der Einzelne zwangsläufig größere Verantwortung übernehmen. Das ist das eigentliche Problem, mit dem die Generation heute Heranwachsender zurecht kommen muss. Und zwar grundsätzlich in allen Lebensrealitäten und quer durch alle Schichten, auch wenn die Schwierigkeiten sich je nach Profil und Status unterschiedlich abbilden.

Kindern und Jugendlichen muss man als Eltern, Verantwortliche, als Staat und Gesellschaft Halt bieten. Regeln in der Kombination mit Stärke und Verantwortungsgefühl. Genau hier liegt der Urgrund für viele der Probleme, die sich in Bereichen wie Schulsystem, Kinder- und Jugendkriminalität und auch -gewalt, Zuname von Verhaltensstörungen und noch vielen mehr, nicht mehr verstecken lassen. Die Liste erstreckt sich über alles, was mit dem zielgerichteten Miteinander von Menschen zu tun hat und ist beliebig erweiterbar.

Fakt ist: Menschen brauchen Regeln. Junge Menschen brauchen besonders klare Regeln. Und Menschen in freien, individualisierten Gesellschaften brauchen starke Verantwortungsträger, die hinter diesen Regeln stehen und sie vertreten. Die schwammige und unsichere Situation, in der heute viele Kinder und Jugendliche in eine noch unsicherere Zukunft blicken, gepaart mit fehlenden konkreten Verhaltensnormen, wirkt sich auf von Scheidung betroffenen Kinder noch massiver aus als auf andere. Sie müssen nämlich zusätzlich das Wegbrechen einer der wichtigsten Bezugspersonen ihres bisherigen Lebens aushalten. Doch es soll nicht dramatisiert werden, denn auch hier ist die Fähigkeit zur Verantwortung und ausgereifte soziale Kompetenzen im Umfeld der Betroffenen wiederum das, worauf es letztlich ankommt. Einfacher ausgedrückt: Ein Scheidungskind mit klaren, stabilen und „Verantwortungsmutigen“ Vorbildern wird seinen Platz im Leben eher einnehmen, als ein Scheidungskind, dessen nahestehendes Umfeld schwach und selbst von der Situation überfordert ist. Dasselbe Beispiel ließe sich in eine Familiensituation übertragen, in der es nicht um Scheidung geht.

Posted under Allgemein von admin on Mittwoch 7 April 2010 at 18:38

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