Taschengeldparagraph § 110 BGB

Taschengeld Kinder Erziehung

Kinder wollen selbst Entscheidungen treffen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Sie haben eigene Wünsche und Bedürfnisse, die für Eltern und Verantwortliche manchmal nur schwer oder gar nicht nachvollziehbar sind. Der teure Kleinkram aus den Automaten vor Eiscafés und in den Gängen vieler Einkaufzentren haben schon manche Diskussion zwischen Eltern und Kindern angeheizt. Für Erwachsenenaugen ist der kleine Hello-Kitty-Schlüsselanhänger oder der Extrastick für den Nintendo DS nicht nur kitschiger Unsinn, bisweilen verstehen die Eltern nicht einmal, was und wozu der Gegenstand überhaupt gut sein soll. Die Kinder allerdings wissen das sehr genau. Wahre Schätze sind es, die sie aus den Automaten ziehen – sofern die Eltern es ihnen erlauben.

Wüssten die Kinder genauer über ihre Rechtslage Bescheid, so ginge manche Diskussion anders aus, nämlich zu ihren Gunsten. Der Hello-Kitty-Anhänger würde am Hosenbund baumeln und SuperMario würde sich in Zukunft mit dem neuen Stick gesteuert durch die Nintendowelt bewegen.

In Deutschland beginnt der Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit nicht erst mit der Volljährigkeit. Nein – schon ab einem Alter von sieben Jahren kann sich ein Kind theoretisch auf den sogenannten Taschengeldparagraphen § 110 des Bürgerlichen Gesetzbuchs BGB berufen. Laut Gesetz steht es dem Kind frei „Leistungen mit eigenen Mitteln zu bewirken“, das heißt es kann auch ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters einen Kaufvertrag abschließen. Jedenfalls wenn das Taschengeld zum Kauf ausreicht, denn ein Ratengeschäfte schließt das Gesetz nicht mit ein. Und das macht auch Sinn.

Kinder sollen lernen, mit ihrem Geld umzugehen. Dazu gehören nun mal auch „sinnfreie“ Geschäfte, die nur dem eigenen Vergnügen dienen. Das tun Erwachsene schließlich auch. Wer Kindern keinen Spielraum mit dem eigenen Geld lässt, darf sich nicht wundern, wenn der Spaß am Sparen und die eigene Entscheidungsfähigkeit bezüglich des eigenen „Barvermögens“ sich nicht entwickeln. Angemessener Umgang mit Geld ist schließlich nicht angeboren.

Beim Taschengeld-Ansparen für eine größere Anschaffung müssen Kinder allerdings achtsam sein! Ist der Konsumwunsch allzu groß und der Wert jenseits der Taschengeldgrenze, so kann der Verkäufer auf eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten bestehen. Noch schlimmer: die Eltern können in diesem Fall ein bereits getätigtes Geschäft wieder rückgängig machen.

Fazit: Kleine Taschengeldgeschäfte kann man Kinder ruhigen Gewissens selbständig erledigen lassen. Wer gewisse Freiheiten genießt, der bespricht größere Geschäfte gerne von selbst mit dem Erziehungsberechtigten seines Vertrauens.

Posted under Allgemein von admin on Mittwoch 7 April 2010 at 18:34

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