Warum lassen sich so viele Frauen scheiden?

Warum lassen sich so viele Frauen (mit Kindern) scheiden?

Scheidungen gehören heute mit großer Selbstverständlichkeit zu modernen, pluralistischen Gesellschaften. Ganz nach dem Motto „selbstbestimmt und individuell“ werden persönliche Lebenswege aktiv gestaltet, stets auf der Suche nach Erfüllung und Lebensglück. Nach Jahrhunderten in einer vorwiegend fremdbestimmten gesellschaftlichen Stellung sind es heute vor allem Frauen, die sich nach Unabhängigkeit und Souveränität sehnen.

Hauptgrund für die hohe Scheidungsrate

Der Hauptgrund für die hohe Scheidungsrate, wie wir sie in Deutschland seit vielen Jahren zu verzeichnen haben, lässt sich in dem starken Bedürfnis nach Individualität sehen. Persönlichkeitsentfaltung und eine Lebensgestaltung anhand individueller Bedürfnisse und Interessen bestimmen die Zielsetzung heutiger Lebensplanung. Der Trend zu beruflichen und familiären Reißbrett-Biographien nimmt zu und erschwert die Kompromissbereitschaft für beide Seiten einer Ehe.

neue Wege für Frauen

Nicht zuletzt hat auch die Frauenbewegung das Ihre dazu getan, Frauen neue Wege zu individuellen Lebensformen zu erschließen und Ihnen Mut gemacht diese auch zu gehen. Dennoch, wer genau hin sieht, dem wird schnell klar, dass wir von einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft noch weit entfernt sind. Auch heute haben die allermeisten Frauen eine Doppelrolle inne, in der sie einerseits als berufstätiges Mitglied eines gesellschaftlichen Systems und andererseits als Mutter und soziales Familienoberhaupt funktionieren müssen.

Parallel zur Individualisierung spielt eine deutlich höhere Lebenserwartung in diese Entwicklung hinein. 1960 gehörte eine Frau von 60 Jahren zu den Senioren und hatte noch deutlich weniger Lebensjahre vor sich als 2010. Heute betrachtet sich ein Großteil der 60-jährigen als mitten im Leben stehend. Diese Ausgangssituation motiviert, im Hinblick auf zahlreiche noch zu erwartende Lebensjahre, das persönliches Lebensglück nicht zu vernachlässigen. „Frau“ harrt heute nicht mehr in einer unglücklichen Beziehung aus. Zusätzlich haben Emanzipationsbewegung und Liberalisierung der Gesellschaft die Rahmenbedingungen für sogenannte „ältere Frauen“ entscheidend beeinflusst. Die ältere Generation ist selbstbewusster und der Wunsch nach Zufriedenheit und einem guten Leben verdrängt nach und nach die bisherige Rolle der „Alten“, die früher deutlicher durch Verzicht und Entbehrung geprägt war. Dazu kommt, dass Stigmatisierung und sozialer Abstieg für die Frauen heute deutlich weniger ins Gewicht fallen.

Zeitmangel, Stress und Überlastung

Nicht so deutlich in Zahlen, sondern durch genaues Mitlesen zwischen den Zeilen aktueller Berichterstattung, wird eine weitere Ursache für kaputte Ehen sichtbar. Zeitmangel, Stress und Überlastung durch alltägliche Herausforderungen machen die Menschen müde und leer. Burn-out ist in aller Munde, dies gilt nicht nur für das berufliche Leben. Auch im familiären Alltag fehlen zunehmend die Zeitnischen, in denen miteinander geredet wird, Kritik und Lob ihren Platz finden und dem Zusammenwachsen genügend Raum gegeben wird.

Posted under Allgemein von admin on Montag 29 März 2010 at 19:50

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