Gleichberechtigte Berufsmöglichkeiten

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Gesetzliche Rahmenbedingungen für gleichberechtigte Berufsmöglichkeiten

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„Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher“

Man möchte meinen, das kritische Zitat von George Orwell habe in unserer demokratischen Gesellschaft ausgedient. Verglichen mit den Unrechtsstaaten, wie sie überall auf der Welt existieren, stimmt das vielleicht auch. Was jedoch die rechtliche Gleichbehandlung der Geschlechter und das Verständnis von Gleichberechtigung im Allgemeinen angeht, liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.

Der Kampf der Geschlechter

Die natürliche Reaktion auf einen solchen Schluss ist in der Regel, je nach Geschlecht, empörte Zustimmung oder empörtes Abwinken. Darin liegt die Krux. Die Historie mit ihrer jahrtausende andauernden Bewertung von „männlich“ und „weiblich“ hat sich im Menschen eingeprägt und fast instinkthaft reagieren Männer wie Frauen mit einer angedeuteten „Kampfreaktion“, wenn es um eine Modifizierung bestehender Geschlechterrollen geht.

Was viele nicht wissen

Werfen wir einige Fakten über die rechtliche Situation auf, wie sie vor nicht allzu langer Zeit noch gegeben war. Noch in den 1970er Jahren bedeutete die Ehe für eine Frau, dass sie sich einer gesetzlich vorgeschriebenen Aufgabenteilung beugen musste. Diese schrieb fest, dass der Mann das Geld verdient und verwaltet, die Frau hingegen Kindererziehung und Hausarbeit als ihren alleinigen Aufgabenbereich anerkennt. Eigenes Geld stand der Ehefrau per Gesetz nicht zu. Wollte sie zusätzlich einer bezahlten Arbeit nachgehen, so sah das Bürgerliche Gesetzbuch noch bis 1977 vor, dass der Ehemann sein Einverständnis geben musste, damit es überhaupt zu einem Arbeitsvertrag kommen konnte. Über das von ihr erwirtschaftete Zusatzeinkommen hatte die Frau ebenfalls keinerlei rechtliche Handhabe. So wurde bis in die Generation der heute noch im Beruf stehenden Frauen systematisch eine Eingliederung in gleichberechtigte berufliche Laufbahnen blockiert.

Wir sind auf einem guten Weg

Theoretisch sind heute viele Barrieren gebrochen, die das gleichberechtigte Zusammenleben behinderten. Und weiterhin arbeiten engagierte Persönlichkeiten in der Politik an verbesserten gesetzlichen Grundlagen für eine gleichberechtigte kulturelle Entwicklung. Das Paradebeispiel ist hier das seit Januar 2007 in Kraft getretene Gesetz zu Elterngeld und Elternzeit. Erstmals in der Geschichte der Menschheit, ja hier ist ein Pathos durchaus angemessen, entstand sowohl für Frauen als auch für Männer eine Situation, die der Beginn wirklicher Wahlfreiheit bezüglich der Familienplanung sein könnte. Die klassische Rollenverteilung wurde mit diesem Gesetz nicht nur theoretisch aufgebrochen, sondern auch praktikabel umstrukturiert. Natürlich ist das nur ein Anfang, aber jede Veränderung beginnt mit dem Anfang. Wir erleben Frauen, die schon in der Schwangerschaft ihren Wiedereinstieg in den Beruf planen können. Es begegnen uns Väter, die tatsächlich ein ganzes Jahr lang beruflich pausieren und Haus und Kind versorgen. Das ist nicht „Nichts“. Seit dem neuen Gesetz ist der sogenannte Betreuungsanteil der Väter im ersten Lebensjahr des Kindes laut Bundesministerium für Familie und Soziales bei statistischen 22 %. Das ist für den Anfang kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass die heutigen Opas dieser Babys teilweise nicht ohne Bedauern bemerken, dass sie zu ihrer Zeit nie eine Windel gewechselt hätten.

Posted under Allgemein von admin on Mittwoch 17 März 2010 at 19:17

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